Leuchtturm in Lenzburg

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Leuchtturm in Lenzburg

Als erstes Verwaltungsgebäude in der Schweiz hat die sanierte Filiale der Neuen Aargauer Bank (NAB) in Lenzburg das Zertifikat Minergie-A erhalten. Die architektonische Qualität des Gebäudes aus den frühen 1990er-Jahren konnte bewahrt werden.

von Manuel Pestalozzi*

In Lenzburg ist hinter dem Bahnhof vor dem Bahnhof; wer auf der Seite Stadtzentrum aus der Unterführung taucht, sieht sich gleich wieder einem wartenden Zug gegenüber. Hinter diesem steht das NAB-Filialgebäude in einem kleinen Park. Seine Adresse, Bahnhofplatz 1, ist für Ortsfremde etwas irreführend. Unmissverständlich ist allerdings die Aussage des freistehenden Repräsentativbaus, den man von den Schnellzügen aus schemenhaft vorüberziehen sieht: Das kompakte viergeschossige Volumen lässt keinen Zweifel offen, dass hinter seiner konkav gekrümmten, nach Osten orientierten Rasterfassade konzentriert gerechnet, verwaltet und kommuniziert wird. Dies geschieht seit gut einem Jahr unter erhöhtem Komfort und mit optimierter Energieeffizienz. Die getroffenen Massnahmen haben dem Bau nun das Label Minergie-A eingebracht.

Licht und Luft dosieren
Entworfen wurde die NAB Lenzburg als Niederlassung der SKA (heute Credit Suisse) vom Architekturbüro Burkard Meyer Steiger und Partner. Die Gebäudebezug fand anfangs1991 statt. Das aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Projekt geht mit gestalterischen Mitteln der klassischen Moderne auf die spezifische Situation am Standort ein. Seine architektonischen Qualitäten wollte die Credit Suisse-Tochter NAB keinesfalls beeinträchtigen. Die ursprünglichen Architekten wurden bei der Sanierung als gestalterische Begleiter beigezogen.
Die energetische Ertüchtigung begann mit der Fassadenerneuerung im Jahr 2012, nach den Vorgaben von Minergie-P. Die Pfosten/Riegelkonstruktion der Ostfassade blieb bestehen, doch Fenster und Brüstungselemente wurden ersetzt. Um trotz der schlanken Profile den Wärmedurchgang reduzieren zu können, verwendete man moderne Vakuum-Verglasungen. Die Stirnseiten und die Westfassade aus Einsteinmauerwerk erhielten eine neue, weiss verputzte Isolierung aus konventionellen Dämmmaterialien. Neue Storen mit perforierten Lamellen spenden Schatten, verdunkeln aber nicht vollständig. Sie erlauben eine Durchsicht in den Aussenraum.
Anschliessend erneuerte man die Haustechnik. Das Gebäude besitzt eine Wärmepumpe, die den Grundwasserstrom direkt unter ihm nutzt. Besonders innovativ ist die Lösung im Zusammenhang mit der mechanischen Lüftungsanlage: Als „Kanal“ dienen die Korridore, die mit Quellluftauslässen versehen sind. Büros werden mittels neuartigen Lüftungsgeräten durch die Türe versorgt, wenn diese geschlossen sind. Die Wärmeversorgung erfolgt über Klimakonvektoren in den Brüstungen. Das Gebäude kann im Sommer auf diesem Weg im Free Cooling-Verfahren ohne zusätzlichen Energieaufwand auch gekühlt werden.

Für Sanierungen beispielhaft
Die in Lenzburg getroffenen Massnahmen sind diskret und für das Auge recht unspektakulär. Sie überzeugten die Minergie-Zertifizierungsstelle. Mit der Übergabe des Zertifikats Minergie-A bescheinigt sie, dass die NAB Lenzburg ein Nullenergiehaus ist. Ein wichtiger Faktor für das Erreichen einer ausgeglichenen Bilanz sind die Photovoltaik-Module auf dem Flachdach des Gebäudes. Ihre Stromproduktion kompensiert den Konsum für Wärmeerzeugung und Lüftung. Anlässlich der Zertifikatsübergabe am 25. August 2014 durch Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher Depertement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, bestätigten sowohl die Vertreter der Bauherrschaft wie auch die Minergiefachleute, dass der Umgang mit dem Gebäude für Sanierungen Vorbildcharakter hat. Diesem Urteil schliesst man sich gern an, sobald man erkennt, dass die architektonischen Qualitäten unter der „Aufrüstung“ nicht leiden müssen.

* Manuel Pestalozzi, dipl. Arch. ETHZ und Journalist BR SFJ, betreibt die Einzelfirma
Bau-Auslese Manuel Pestalozzi

Webseite: www.bau-auslese.ch

 

 

2018-03-28T12:11:59+00:00 Kategorien: Aargau|Tags: , |