Internationale Expertise und konkrete Lösungsansätze in Bern
Am 26. August 2025 hat der CO2 Kongress in Bern erneut führende Vertreterinnen und
Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammengebracht. Im Zentrum stand
eine wichtige Technologie auf dem Weg zu Netto-Null 2050: Die Abscheidung, Nutzung,
Transport und Speicherung von CO2 – kurz (CCUTS).
Mit der zweiten Durchführung des CO2 Kongresses unterstreicht die Schweizer Gasbranche
ihre Bestrebungen und den Willen bezüglich der Entwicklung von CCUS-Projekten. Die Veranstaltung hat sich als eine Plattform für den Austausch zu konkreten Lösungsansätzen, regulatorischen Herausforderungen und Finanzierungslösungen im Bereich CCUTS etabliert –
weit über die Landesgrenzen hinaus.
Die Energiestrategien von Bund, Kantonen und Gemeinden zielen auf die Reduktion von
Treibhausgasen durch Effizienzsteigerung, den Ausbau erneuerbarer Energien und Elektrifizierung in verschiedenen Bereichen. Da aber gewisse CO2-Emissionen in Industriezweigen oder der Landwirtschaft unvermeidbar bleiben, braucht es zusätzliche Technologien, um
jährlich rund 7 Millionen Tonnen CO2 abzuscheiden und zu speichern. Nur so ist das NettoNull-Ziel bis 2050 zu erreichen. Hier setzte der CO2 Kongress an.
CCUS als zentrales Element zu Netto-Null
Für die Direktorin des Verbandes der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), Daniela Decurtins,
führt kein Weg an CCUTS vorbei: «CCUTS ist kein Zukunftsthema, sondern ein Gebot der
Stunde. Nur mit diesen Technologien können schwer vermeidbare Emissionen effektiv reduziert werden.»
Einigkeit unter den Referenten und Teilnehmenden herrschte über die Notwendigkeit koordinierter Anstrengungen: Es brauche Investitionen in Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2 – idealerweise mit grenzüberschreitenden Infrastrukturen. Gleichzeitig wurden
zentrale Fragen diskutiert, etwa bezüglich Finanzierung, der Ausgestaltung rechtlicher Grundlagen sowie zur Einbindung der Bevölkerung.
Verband der Schweizerischen Gasindustrie
27.08.2025
Der CO2 Kongress 2025 lieferte wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung einer ganzheitlichen Klimastrategie und zeigte: CCUTS ist technisch machbar, wirtschaftlich notwendig und wird politisch an Relevanz gewinnen.
Wie die Politik die Thematik bewertet, wurde im Panelgespräch mit den Nationalräten Martine Docourt (SP), Jürg Grossen (GLP), Gerhard Pfister (Mitte) und Christian Wasserfallen (FDP) beleuchtet und kontrovers diskutiert. Besonders bei der Bewertung der Zweckmässigkeit sowie der Finanzierung von CCUTS-Lösungen zeigte sich, dass die Positionen der Partei-Exponenten weit auseinanderliegen.
Wichtigste Takeaways und Stossrichtungen
Internationale Projekte: Bereits laufende CCUTS Projekte in Kanada (Alberta Carbon Trunk Line) und Norwegen (Zementfabrik in Brevik) liefern wertvolle Erkenntnisse
für die Umsetzung und das Vorantreiben von CCUTS in der Schweiz.
Internationale Zusammenarbeit entscheidend: Für den Aufbau einer effektiven
CO2-Infrastruktur braucht es grenzüberschreitende Kooperation – insbesondere für
Pipeline-Systeme.
• CO2-Wissen vorhanden, aber viele Fragen offen: CCUTS-Technologien sind bekannt, doch fehlen klare Regeln und Standards für sicheren Transport, industrielle
Nutzung und Speicherung. Der VSG macht sich in den verschiedenen beteiligten
Branchen und auf politischer Ebene für die Schaffung dieser Rahmenbedingungen
stark.
• Schweizer Speicherpotenzial begrenzt: Eine grossflächige geologische Speicherung
in der Schweiz ist unwahrscheinlich – CO2 kann zu einem Teil in der Schweiz genutzt
werden, muss aber mehrheitlich ins Ausland transportiert werden.
• Kosten und Finanzierung unklar: Die geschätzten Gesamtkosten bis 2050 werden
sich auf schätzungsweise 16,3 Milliarden Franken belaufen. Etwa die Hälfte entfällt
auf die Abscheidung. Klare Finanzierungsmodelle und gesetzliche Rahmenbedingungen fehlen bislang.
Nach der zweiten, erfolgreichen Durchführung des Kongresses fällt das Fazit der VSG-Direktorin, Daniela Decurtins, positiv aus: «Der diesjährige CO2 Kongress war ein wichtiger Schritt
in Richtung eines integrierten Carbon Managements, getragen von den unterschiedlichsten
Kreisen – mit konkreten Handlungsempfehlungen und einem klaren politischen Appell: Jetzt
braucht es Anreize, die Investitionen ermöglichen, um nicht an Fahrt zu verlieren. Es gilt,
keine Zeit zu verlieren.
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