Wohnung renovieren

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Wohnung renovieren

Viele Mieterinnen und Mieter träumen davon, ihre Wohnung in eigener Regie zu verschönern: neue Böden, frische Farbe oder eigene Haushaltgeräte sind besonders beliebt. Doch Vorsicht: Beim Thema Wohnung renovieren sollten Sie zuerst fragen!

Wollen Sie auch einmal die Wohnung renovieren? – Wer nicht gerade das Glück hat, in eine schöne Neubauwohnung zu ziehen, verspürt oft Lust, die Wohnung etwas aufzupeppen: Manche hätten ihr Heim gerne etwas farbiger, andere wünschen sich edlere Bodenbeläge oder vielleicht sogar eine neue Küche. Oder wie wäre es, das Kinderzimmer hübsch in skandinavischem Stil herzurichten, inklusive passende Malerarbeiten? Wegen hoher Mieten in den Städten sind manche Mieter darauf angewiesen, eine günstige Wohnung zu nehmen – umso grösser ist dann der Wunsch, sie als Heimwerker etwas «aufzumöbeln».

Was ist beim Thema Wohnung renovieren überhaupt rechtens? Auf so manche an sich einfache Grundsatzfrage im Mietrecht gibt es aber keine einfachen Antworten. Die gesetzlichen Spielregeln in Sachen Wohnung renovieren sind rudimentär. In Artikel 260a des Obligationenrechts OR heisst es: «Der Mieter kann Erneuerungen und Änderungen an der Sache nur vornehmen, wenn der Vermieter schriftlich zugestimmt hat.»

Wohnung renovieren – was darf ich?

Nach dieser gesetzlichen Bestimmung sind also zwei Varianten zu unterscheiden: Gewisse Verschönerungen und Veränderungen darf der Mieter ohne zu fragen in die Tat umsetzen. Für die meisten Veränderungen am Mietobjekt muss er allerdings vorgängig die Zustimmung des Vermieters bzw. der Verwaltung einholen. «Die Grenzen dessen, was ohne Erlaubnis möglich ist, sind also relativ eng», sagt der Berner Fürsprecher und Mietrechtsspezialist Hans Bättig.

Ohne zu fragen, ist zum Beispiel folgendes möglich: Die Möblierung und Einrichtung das Balkons und natürlich auch von anderen Wohnräumen, soweit dadurch die bauliche Substanz oder das äussere Erscheinungsbild des Balkons oder der Terrasse nicht tangiert sind. Auch das Verlegen von einfachem Klick-Laminat wäre möglich (soweit der Boden später problemlos wieder entfernt werden kann). Natürlich dürfen auch Bilder aufgehängt oder Regale montiert werden – wichtig ist immer der Grundsatz, dass der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden kann. Die Anforderungen dazu sind relativ hoch. Wer dem Vermieter zum Beispiel beim Auszug eine grossflächig mit Bohrlöchern übersäte Wand präsentiert, muss mit Folgen rechnen. Gut möglich, dass die Verwaltung dies als Mangel oder nicht zulässigen Eingriff einstuft. So haftet der Mieter bzw. die Mieterin dafür, dass die Wohnung und alle ihre Bestandteile wieder so übergeben werden, wie der Mieter sie zu Beginn übernommen hat.

Zustimmung: im Ermessen des Eigentümers

Für die Praxis ist daran zu denken, dass der Schutz des Eigentums und der sorgfältige Umgang mit dem Mietobjekt einen relativ hohen Stellenwert hat. Auch wenn kleinere Eingriffe und Verbesserungen meist unproblematisch sind, gilt der Grundsatz: Der Vermieter kann auch Nein sagen. Hans Bättig hält dazu fest: «Es ist gängige Gerichtspraxis, dass der Eigentümer die Zustimmung zu irgendwelchen Änderungen ohne Begründung ablehnen darf.»

Was die Kostenregelung betrifft, ist an die Spielregeln mit der Lebensdauer zu erinnern: Ein Wandanstrich mit Dispersion oder eine Raufaser-Tapete hält nach der paritätischen Lebensdauertabelle von Hauseigentümer- und Mieterverband z. Bsp. acht bzw. zehn Jahre. Muss die Dispersion aus irgendeinem Grund schon nach vier Jahren erneuert werden (die Hälfte der Lebensdauer), wird dies anteilmässig berücksichtigt. Der Mieterseite könnte dann höchstens die Hälfte der Kosten verrechnet werden.

Was setzt Erlaubnis voraus?

Klar einer Zustimmung bedürfen zum Beispiel:

  • Malerarbeiten, vor allem wenn der Mieter die Wände gerne orange, himmelblau oder gelb hätte.
  • Der Ausbau, die Isolation oder weitere bauliche Massnahmen im Estrich oder in anderen Teilen der Wohnung.
  • Der Einbau einer neuen Küche.
  • Die Anschaffung anderer oder zusätzlicher Haushaltgeräte wie eigene Waschmaschine, Geschirrspüler, Tumbler etc.
  • Wenn der Mieter Türen entfernen, Wände verschieben oder gar einreissen will.
  • Neue Fliessen im Bad.
  • Auswechseln von Bodenbelägen – wenn der Mieter etwa einen Teppichboden durch selbst verlegtes Parkett ersetzen will.

Der Ratschlag des Experten Hans Bättig an die Adresse der Mieterseite lautet: «Ich würde empfehlen, dem Vermieter eine schriftliche Vereinbarung vorzulegen.» Sofern die vorgeschlagene Änderung oder Verschönerung klar umschrieben sei, wenn sich der Mieter schriftlich zur Wiederherstellung verpflichte und auch auf einen späteren Mehrwert verzichte, sei dies meist kein Problem: «Ich denke, dass bei einem solchen Vorgehen 99 Prozent der Verwaltungen ihre Zustimmung erteilen.»

Der erwähnte Gesetzesartikel hält im Übrigen fest, dass der Vermieter verlangen kann, dass alles wieder rückgängig gemacht wird – aber auch dies nur, wenn es schriftlich so vereinbart worden ist. Also auch hier gilt es, mögliche Probleme und Konfliktfelder zu erkennen. Hat nämlich die Verwaltung zum Beispiel ausdrücklich ihren Segen dazu erteilt, dass der Mieter die Kinderzimmer alle orange oder gelb malt, muss der Mieter nicht unbedingt den ursprünglichen Zustand wieder herstellen. Die Wiederherstellung kann nur verlangt werden, wenn es die beiden Parteien schriftlich vereinbart haben.

Wohnung renovieren – wenn’s teuer wird

Das Prinzip einer klaren schriftlichen Abmachung ist umso wichtiger, als vielleicht einmal grössere Renovationen und Umbauten zur Diskussion stehen: Wenn ein Mieter den Gartensitzplatz verschönern will und er von edlen Steinplatten träumt – anstelle des grauen Asphaltbelages. Wenn er bei einem gemieteten Einfamilienhaus ganze Räume oder den Dachstock renoviert und ausbaut etc. Bei grösseren und teureren Massnahmen müssen auch die finanziellen Eckpunkte geregelt werden. Denn es gibt -zig verschiedene Varianten: Vielleicht trägt die Verwaltung die Kosten des Materials, während der Mieter die für den Umbau nötige Zeit unentgeltlich einbringt. Weiter ist es möglich, dass der Mieter sämtliche Kosten vorerst allein trägt, dann aber beim Auszug eine anteilmässige Entschädigung bekommt. Drittens wäre es möglich, dass sich der Vermieter finanziell beteiligt, dafür aber eine Mietzinserhöhung geltend macht. Auch hier gilt: Wenn die wichtigen Fragen nicht im Voraus klar und schriftlich geregelt sind, könnte sich später ein Streit entzünden, wer was bezahlen und wieder rückgängig machen muss. Auch der Mieterverband hält in einem Merkblatt zu diesem Thema fest: «Am besten setzen Sie mit dem Vermieter eine schriftliche Vereinbarung auf, die das von Ihnen investierte Geld und Ihren Entschädigungsanspruch beim Auszug genau beziffert.»

Die Tragweite darf nicht unterschätzt werden: «Mir sind zwar kaum solche Fälle bekannt, aber im Extremfall könnte ein Streit in einer sehr unangenehmen Wohnungskündigung enden», stellt Hans Bättig fest. Theoretisch könnte dies so ablaufen, dass der Eigentümer eines Tages gröbere Eingriffe feststellt, die nicht bewilligt worden sind. Also würde der Vermieter verlangen, dass der Mieter die Eingriffe wieder rückgängig macht oder die Kosten dafür trägt. Wenn dann der Streit eskaliert und keine Einigung gefunden werden kann, droht als ultima ratio die Kündigung des Mietverhältnisses.

Wohnung renovieren: Überraschungen vermeiden

Damit ist auch angetönt, dass bei vagen oder bei fehlenden Abmachungen die Mieterpartei ein gewisses Risiko trägt: Denn hat der Mieter oder die Mieterin nach Lust und Laune selbst Hand angelegt, ohne eine Einwilligung einzuholen, kann die Verwaltung noch während der Mietdauer einschreiten – das heisst, sie verlangt, dass die Veränderungen an der Wohnung wieder rückgängig gemacht werden.

Heikel sind insofern auch mündliche Zusagen: Sind beispielsweise Malerarbeiten oder neue Bodenbeläge bloss mündlich bewilligt worden, kann sich der Mieter später nicht unbedingt darauf verlassen, oder er gerät in Beweisnot.

Fazit: Wer in Sachen Heimwerkerarbeiten und Do it yourself nicht allzu keck vorgeht, wird sicher das eine oder andere verbessern und verschönern können. Letztlich dient dies allen: Denn Mieter, die sich mit ihrer Wohnung identifizieren und sich wohl fühlen, bleiben länger und sind zufriedener.

Text: homegate.ch

Bildquelle: homegate.ch (Fotolia, Bembé Parkett, Easy-PR)

Kontakt: [email protected]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2017-10-13T14:46:51+00:00 Categories: Renovation|Tags: , , , |