Frisch gelandet

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Frisch gelandet

Frisch gelandet

Eine knallrote Kabine und ein in blau bis rosa Licht getauchtes Kuriositätenkabinett begrüsst all jene, die auf den Hönggerberg fahren, um zu sehen, was die Architekturabteilung aktuell ausstellt. Eine schöne Art, den sich nahenden Frühling anzukündigen.

Die Kabine im Foyer scheint von einem Raumschiff abgeworfen und hier gelandet zu sein. Das ist nicht ganz falsch, denn sie entstand zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort. Ihr Name: «Kiosk K67». Sie ist das Kind des Slowenischen Architekten und Designers Saša J. Mächtig, entstand in den biederen Werkstätten von Imgrad in der Kleinstadt Ljutomer, gehört zur zweiten Generation der Gattung und wurde von der ETH Zürich erstanden. Es ist eine sorgfältig restaurierte Preziose, die hier dem Publikum begegnet, ein Kiosk, der auch ein Raumknoten mit vier Anschlüssen ist.

1967 entstand dieses System aus faserverstärktem Kunststoff. Es konnte als Stadtmobiliar in zahlreichen Konfigurationen für verschiedene Zwecke eingesetzt werden und Aussenräume bereichern. In einer Buntheit, die den «Smarties» in nichts nachstand, fanden die Module primär in Osteuropa Verwendung und wurden alsbald zur Design-Ikone mit hohem Identifikationspotenzial. Bis in die frühen 1980er-Jahre entwickelte man die Idee weiter, heute haben die Kabinen Sammlerwert. Die kleine Ausstellung im Foyer erzählt ihre Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte anhand von Dokumenten. Sie zeigt auch die Bedeutung des Systems für die «Design-Nation» Slowenien, welche «Kiosk K67» eine Briefmarke widmete.

Hinter dem Foyer tauchen abstrahierte schwarze Konturen eines Hundes auf – ein Terrier? Sie leiten in die gta-Ausstellungszone. Bodennahe Neonröhren entlang den Wänden sorgen für schummriges Licht, beim Eingang ist es Rosa, dann in Richtung verglaste Ecke zu Blau überleitend. Mehr Hunde auf Klebbändern am Boden Schemenhaft sind Objektgruppen erkennbar, da und dort hängen mit Schmuck behängte Glühbirnen herab. Dies ist die Ausstellung «Home.A User’s Manual», eine Gebrauchsanweisung für die Heimstätte, also. Ihre Schöpfer gruppieren sich um Cinzia Ruggieri, Designerin, Künstlerin und von den späten 1960er bis in die frühen 1990er-Jahre eine aktive Persönlichkeit im kreativen Kosmos Mailands, wie im Begleitzettel (nur auf Englisch) nachzulesen ist.

Die Ausstellung versammelt Einrichtungs-Kunstwerke, die über eine längere Zeit entstanden sich und sich mit dem Daheim sein und dem Einkleiden im engsten wie auch im weiteren und übertragenen Sinn auseinandersetzen. Dazu gäbe es enorm vieles zu erklären. Am besten lässt man das Dargebotene aber einfach auf sich wirken. Es geht um Licht, optische Eindrücke, haptische Ahnungen und ein bisschen Video, verteilt über eine weite Fläche, welche es ermöglicht, dass die Dinge eine angenehme Distanz behalten.

2019-03-08T09:40:49+02:00 Kategorien: Planung|Tags: , , |

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