Energiespareffekte richtig planen

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Energiespareffekte richtig planen

Swissbau – Energieeffizienzmassnahmen erreichen oft nicht die erwarteten Einsparungen. Schuld daran sind auch Rebound-Effekte. Diese zu lokalisieren oder zu mindern, ist jedoch nicht einfach. Daher sollte bereits in der Planungsphase von Verbesserungsmassnahmen in Bezug auf solche Effekte sensibilisiert werden.

Energieeffizienzverbesserungen sind oft nicht so effektiv, wie erwartet: Häufig kommt es zu einer intensiveren Nutzung oder das eingesparte Geld wird für energieintensivere Produkte oder zusätzliche Dienstleistungen eingesetzt. So entstehen Rebound-Effekte, welche die Wirkung von Energieeffizienzmassnahmen deutlich mindern können. Mehr oder längere Fahrten mit dem effizienteren Auto oder häufigere Flugreisen nach dem Kauf eines effizienteren Autos wären Beispiele für einen solchen Effekt. Dass wir noch nicht besser sensibilisiert sind in Bezug auf diese Effekte mag erstaunen. Denn erwähnt wurden Rebound-Effekte erstmalig 1895 von William Stanley Jevons (Jevons’ Paradoxon) in Verbindung mit Effizienzsteigerungen durch kohlebetriebene Dampfmaschinen und dem damit verbundenen Anstieg des Kohleverbrauchs.

Individuelle Ausprägung

Die Sensibilität gegenüber Rebound-Effekten und deren Ausmass sind individuell verschieden. «In unseren Studien stellten wir fest, dass Personen mit starkem Umweltbewusstsein oder festen Gewohnheiten weniger anfällig dafür sind», erklärt Elisabeth Dütschke vom Fraunhofer Institut. Ihr Verhalten bleibt häufiger stabil oder sie achten auch in anderen Bereichen auf Ressourcenschonung. Auch soziale Normen beeinflussen den Effizienzgrad. «Nimmt jemand im persönlichen Umfeld Erwartungen wahr, möglichst energieeffiziente Verkehrsmittel zu nutzen, kann nach einer Anschaffung der verspürte soziale Druck nachlassen und umgekehrt zu einer vermehrten Autonutzung führen», erklärt Elisabeth Dütschke. Mehrverbräuche können aber ihre Ursache auch in Wissenslücken oder fehlerhaften Installationen der effizienten Technologie haben.

Auftreten wahrscheinlich

Rebound-Effekte sind bei Energieeffizienzverbesserungen generell sehr wahrscheinlich. Elisabeth Dütschke konkretisiert: «Das Ausmass variiert je nach Bereich und Gestaltung der Fördermassnahmen sowie den Rahmenbedingungen. Laut übergreifender Studien können Rebound-Effekte zu einer Verringerung der erwarteten Einsparungen von bis zu 30 Prozent führen.» In der Regel sind sie jedoch niedriger.

Ein Mehrverbrauch an Produkten ist zudem nicht mit hoher Lebensqualität gleichzusetzen. Konsummuster müssen deshalb grundsätzlich hinterfragt werden. Dass Rebound-Effekte Investitionen in Energieeffizienz verhindern, ist hingegen nicht belegt. «Umweltschutz geniesst bei vielen Bürgern in Europa hohe Priorität. Überzeugungen und Wissenslücken über Energieverbräuche, sinnvolle Massnahmen oder Konsequenzen wirken aber oft investitionshemmend. Besonders bei Heizungsanlagen könnte durch bessere Beratung auch für die Nutzungsphase die Effizienz erhöht werden. Hier sind die Installateure ebenso gefragt», erklärt Elisabeth Dütschke.

Nicht zwingend schlecht

Rebound-Effekte können auch positiv wirken. Durch effizientere Energienutzung ist beispielsweise höhere Lebensqualität für untere Einkommensklassen oder Entwicklungsländer möglich. Besseres Raumklima und intensiveres Heizen kann sich daher positiv auf die Gesundheit auswirken. Gleichfalls sind einige Rebound-Effekte vernachlässigbar. Mit LED-Lampen kann gegenüber herkömmlichen Leuchten auch bei längerer Einschaltdauer noch viel Energie eingespart werden.

Zwei Arten von Rebound-Effekten

Ist dieselbe Dienstleistung betroffen, spricht man von direktem Rebound. So kann beispielsweise die Anschaffung eines verbrauchsärmeren Autos zu vermehrten Fahrten führen oder aus dem Wechsel auf energieeffizientere Leuchten eine längere Einschaltdauer resultieren.
Beim indirekten Rebound wird die gesparte Energie stattdessen in einem anderen Bereich verbraucht. Nach dem Kauf von verbrauchsärmeren Fahrzeugen könnten beispielsweise mit dem eingesparten Geld Reisen oder andere Geräte finanziert und dadurch die Energieeffizienzmassnahme gemindert werden. Indirekte Rebound-Effekte sind im Vergleich zu direkten deutlich schwieriger zu lokalisieren. Ebenso schwierig kann ihnen entgegengewirkt werden. Sie völlig zu vermeiden, ist nahezu unwahrscheinlich.
Informationen zu Rebound-Effekten

Das Handbuch «Rebound-Effekte: Wie können sie effektiv begrenzt werden?» des deutschen Umweltbundesamts nennt auf Grundlage von Studien mögliche Auswirkungen von Rebound-Effekten auf Energiedienstleistungen.

 

Quelle: www.swissbau.ch

 

2018-02-06T15:49:14+00:00 Kategorien: Planung|Tags: , |