Persönlich erfährt man mehr

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Persönlich erfährt man mehr

Sich informieren, mit Fachexperten austauschen oder inspiriert werden –nirgendswo geht dies besser als an einer Messe. Ein fiktiver Preview auf das, was man von Mensch zu Mensch an der Swissbau 2020 erfahren kann.

Die Schweiz hat viele Vorzüge. Einer davon ist, dass man mit dem Zug in wenigen Stunden überall sein kann. Daher reise ich mit dem Zug nach Basel. Ein paar Schritte über den Bahnhofsplatz und einige Tramstationen später bin ich an meinem Zielort, der Swissbau 2020.

Als ich aus dem Tram steige, ergreift mich beim Anblick der zahlreichen Besucherinnen und Besucher vor dem Eingang das Messefieber. Bin ich heute Morgen doch etwas zögerlich in den Zug gestiegen, freue ich mich nun auf einen ereignisreichen Tag. Bau-und Immobilienwirtschaft, Gebäudetechnologie und Sicherheitsbranche –alle an einem Ort vereint.

Das Ziel vor Augen

Um bei all den Optionen nicht den Überblick zu verlieren, habe ich mir bei der Planung meines Messebesuches ein Tagesziel gesetzt: 1x7x30. Neben den fix vereinbarten Terminen in verschiedenen Hallen fokussiere ich mich auf eine Halle, um Fachgespräche zu führen und um Inspirationen zu sammeln. In dieser Halle spreche ich mit maximal sechs Ausstellern für jeweils rund 30 Minuten. So lautet der Plan …

Meine Zielstrebigkeit wird gleich in der Eingangshalle gestoppt, als ich einen Bekannten treffe, der beim BranchenverbandEIT.swissarbeitet. Unser Gespräch dreht sich schnell um die Herausforderungen für die Branche. Eine Aussage lässt mich aufhören: «Traditionelle Installateurehaben je länger je mehr einen kurzen Atem. Ihnen bleibt fast nur noch die Arbeit als «Hüslibauer-Stromer». Eine etwas düstere Perspektive, doch trifft sie im Kern wohl auf die gesamte Bau-und Immobilienbranche zu. Die Konvergenz der verschiedenen Bereiche schafft immer mehr Schnittstellen, für die es unterschiedlichstes Spezialwissen in einem Unternehmen braucht. Das wirkt sich aufs Berufsbild aus. Hinzu kommen veränderte Kundenbedürfnisse, da Designerlampe, Kühlschrank, Stromspeicherung, Elektromobilität, Photovoltaik und noch mehr im Smarthome miteinander vernetzt sind. Inspiriert durch diesen ersten fachlichen Austausch am Tag entscheide ich mich, dass ich mein Tagesziel in der Halle 1 Süd zu realisieren. Sie fasst die Themen Gebäudetechnik und Sicherheit zusammen; gleichzeitig beherbergt sie das Swissbau Innovation Lab und die Veranstaltungen des Swissbau Focus.

Bringt alles zusammen

Der Anspruch der Swissbau, alle zwei Jahre die Bau-und Immobilienbranche zusammenzuführen, zeigt sich in der Halle 1 Süd in besonderem Masse erfüllt. Nach der Absage der Messen Ineltec und Sicherheit vernetzt die Swissbau 2020 zusätzliche Gebäudetechnologie-und Sicherheitsspezialisten mit dem Rest der Branche. Ein spannendes Themenfeld, finden sich in den BereichenGebäudeautomation, Energie im Gebäude, Beleuchtung und Gebäudesicherheit doch zahlreiche Beispiele der digitalen Transformation. Ich werfe einen Blick auf den Hallenplan und suche mir einen Startpunkt aus.

Mein Weg führt mich als erstes zu Siemens. Der Konzern vereint alles: Smarte Gebäude, smarte Stromnetze, Energiesysteme und Industrien –dies alles unter dem Begriff Smart Infrastructure.Der Trend geht also zum Ganzheitlichen, die Digitalisierung hält sich nicht an Systemgrenzen.Ein guter Startpunkt also, um sich einen Überblick über die Themen zu verschaffen, die Gebäudetechniker und Sicherheitsfachleute beschäftigen. Auf dem Stand lasse ichmeinen Blick über die Informationen schweifen. Raum-und Gebäudeautomation … Das intelligente Ventil mit Cloud-Anbindung für Heizgruppen, Lüftungs-und Klimaanlagen erregt meine Aufmerksamkeit. «Die Ventile steuern den Durchfluss, messen Temperatur und Leistung und passen die Ventileinstellungen an den Wärmetauscher an. Damit wird auch das mehrmalige manuelle Nachjustieren über den Lebenszyklus der Anlage überflüssig. Sie können über die Cloud aktualisiert und über eine App und Wi-Fi schnell in Betrieb genommen werden», erklärt mir ein Siemens-Experte. Neben Produkten für Heizung, Lüftung und Klima finden sich zahlreiche Sicherheitslösungen auf dem Stand, zum Beispiel 2D Augenleser für die Zutrittskontrolle, Brandschutzsysteme oder Produkte zum Schutz vor unberechtigtem Zugriff auf KNX-Installationen.

Manipulation und Hacking, auch das ist Teil der digitalen Transformationen. Die digitalen Lösungen bringen viele Vorteile für die Nutzerinnen und Nutzer. Wie mechanische Teile sind aber auch sie anfällig für «Störungen». Um mehr darüber zu erfahren, wie die seit 30 Jahren verfügbare KNX-Technologie sich darauf einstellt, wechsle ich zum Stand von KNX Swiss.«Cybersicherheit ist eines der Top-Themen in der Gebäudeautomation. Die KNX-Secure Technologie erfüllt alle notwendigen Sicherheitsbestimmungen und setzt die höchsten Verschlüsselungsstandards um. Das minimiert das Risiko von digitalen Einbrüchen», beantwortet der KNX-Experte meine Frage nach der Absicherung der Netzwerke und des Datenschutzes.

Danach fachsimpeln wir über die Frage, wo der Nutzen intelligenter Gebäude liegt. Zusammenfassen kann man die Antwort in wenigen Worten: der Vernetzung unterschiedlicher Gewerke wie Licht, Jalousien, Heizung, Lüftung aber auch Musik und Sicherheit. Durch diese Vernetzung und den Austausch von Informationen können Gebäude wirtschaftlicher betrieben werden und der Komfort für die Nutzer wird erhöht. Wichtig dabei -um nicht zu sagen zentral -ist es, die Bedürfnisse der Nutzer ins Zentrum zu stellen. Für den KNX-Experten wichtig: «Dank Standardisierung sind alte Systeme auch nach Jahre noch nutzbar. Sie werden in die neuste Generation der Informationstechnologie integriert.»

Selbst ist der Roboter

Nach diesem Gespräch lasse mich ein wenig treiben und laufe durch die Gänge. Dabei sticht mir eine Szene ins Auge. Auf dem Stand von Phoenix Contact steht eine Gruppe von Personen vor einem Teil eines Lüftungskanal, eine davon trägt eine Virtual Reality-Brille. Neugierig geselle ich mich dazu und höre den Erklärungen des Phoenix -Mitarbeitenden zu. «Konventionelle Gebäudetechnik wird mit den Möglichkeiten der Digitalisierung verbunden. Dank Virtual oder Augmented Reality kann man in den Lüftungsschacht blicken, um Probleme zu analysieren. Das Handbuch ist gleich mit hinterlegt, so dass man Details sofort nachschlagen kann», erklärt er. Vor der Digitalisierung wäre der Blick in den Schacht mit aufwändigen Arbeiten verbunden gewesen.

Die Digitalisierung vereinfacht im Gebäudemanagement aber noch vieles mehr. Wie Phoenix Contact zeigt, manchmal auch bei Sachen, an die man im ersten Moment nicht denkt. So aktiviert im «Internet der Dinge» der Putzroboter zukünftig selbstständig den Lift, um in einem anderen Stockwerk weiter putzen zu können.

Dass nicht nur kommerziell genutzte Gebäude zum Dienstleister werden, wenn ein gewisser Digitalisierungs-und Automatisierungsgrad erreicht ist, zeigt mein nächster Stopp auf der Suche nach Innovationen. Auf dem gemeinsamen Stand mit Schneider Electric zeigt Feller by Schneider Electric sein neuesHome Automation System für Privathäuser und Wohnungen. Dieses vereint die heutige elektrische Installation mit der digitalen Installation von morgen. «Wir setzen einen neuen Standard für Elektroinstallationen in der Schweiz. In der Planung, in der Inbetriebnahme und in der Flexibilität bei späteren Ausbauphasen überzeugt unser System durch seine Einfachheit», erklärt der Kommunikationsverantwortliche von Feller.

Alle Angebote auf einen Blick

Als nächstes steuere ich den Stand von Wago Contact an. Breit aufgestellt bieten sie ebenfalls Gebäudeautomation sowohl für kommerzielle als auch für privat genutzte Gebäude an. Ich lasse mir ihr Home Automation System zeigen. Ohne in die technischen Unterschiede zu anderen Produkten zu gehen, gefällt mir hier die Bedienoberfläche. Egal, ob Smartphone, Tablet oder PC funktioniert die Applikation einfach über einen Webbrowser ohne zusätzliche Programme. «Gebäudeautomatisation mit einem Wisch oder Klick, ohne Schulung oder Programmierkenntnisse», fasst der Wago-Experte die Benutzerfreundlichkeit zusammen. «Der Mehrwert eines Smart Buildings oder Smart Home muss sich für den Nutzer sofort erschliessen. Dazu gehört die intuitive Nutzung», ergänzt er.

Ich überlege mir, mir noch ein drittes Home Automation System zeigen zu lassen. So komprimiert wie an der Swissbau findet man Informationen und Fachwissen nirgendswo. Auch nicht im Internet, wo ich nicht nur stundenlang rumsurfen müsste. Bei einer Online-Suche kann ich auch keine Fragen stellen. Und was den Austausch von Mensch zu Mensch ebenfalls informativer macht: Im Gespräch erhalte ich Antworten auf Fragen, die ich mir selbst nie gestellt hätte.

Schlussendlich entscheide ich mich, mir doch kein weiteres Automationssystem anzuschauen. Denn mein Blick ist auf einen Aussteller gefallen, den ich bisher nur bedingt mit Digitalisierung verbunden habe –die Securitas Gruppe.Als ich einen derMitarbeitendendarauf anspreche, fallen Stichworte wie BIM, Internet der Dinge, Cloud, Software as a Service und Cybersecurity. Um mir einen Teil davon zeigen zu können, gehen wir ins Swissbau Innovation Lab. Als Partner istSecuritonhier ebenfalls mit dem Gebäude «The Safe» vertreten. Dieses wird im BIM-Gesamtplan mit verschiedenen Räumlichkeiten und unterschiedlichen Schutzzonen dargestellt. Und wie es sich für das Innovation Lab gehört, geht es auch beiSecuritonum innovative Projekte. Als Blick in die Zukunft zeigt das Projekt «Avatar» zum Beispiel, wie dank dem Internet der Dinge die virtuelle Welt in die physische Sicherheitstechnik übersetzt wird.

Die Möglichkeit, vorauszuschauen, ist noch etwas, was mir an der Swissbau gefällt. Statt sich nur mit den aktuellen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, zeigt die Messe im Swissbau Innovation Lab, welche Themen man im Auge behalten sollte. Schliesslich ist die digitale Transformation längst noch nicht abgeschlossen.

Von Mensch zu Mensch

Für mich dagegen ist für heute Schluss. Meine Termine habe ich wahrgenommen und mein Tagesziel eingehalten. Auf dem Weg nach Hause ziehe ich ein erstes Resümee:Es war anstrengend. Ich bin viel gelaufen, habe viel geredet und konzentriert meinen Gesprächspartner zugehört. Mein zweites Resümee: Es hat sich gelohnt. Neu gewonnenes Wissen, fachlich hochwertiger Austausch, Networking, Inspiration für die eigene Arbeit –all dies komprimiert und ohne grossen Suchaufwand an einem Ort vereint. Und was mir am meisten gefallen hat: das alles von Mensch zu Mensch.

Autor: Patrick Preuss

Kontakt: info@swissbau.ch
Webseite: https://www.swissbau.ch

 

Kategorien: Swissbau 2020|Tags: , |

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