Libor-Abschaffung: Die Folgen für Hypothekarkunden

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Libor-Abschaffung: Die Folgen für Hypothekarkunden

Dem Schweizer Hypothekarmarkt und überhaupt den Banken steht mit der angekündigten Abschaffung des Referenzzinses Libor eine wichtige Änderung bevor. Die Umstellung betrifft auch Schweizer Kunden mit Libor-Hypotheken. Die gute Nachricht: Trotz Libor-Abschaffung wird es auch in Zukunft vergleichbare Finanzierungsinstrumente geben.

300 Billionen Dollar. Wer kann sich eine solche Summe vorstellen? Fachleute schätzen, dass weltweit Gelder und Banktransaktionen in dieser Grössenordnung an den Geldmarktzins Libor gekoppelt sind. Wenn der Libor also z. Bsp. von 0,4 auf 0,5 Prozent steigt, oder sich noch geringfügiger bewegt, tangiert dies global die Wertentwicklung von allen möglichen Finanztransaktionen, Krediten und Börsengeschäften.

Aufmerksame Zeitungsleser werden sich noch erinnern, dass der Libor und einige involvierte Banken schon mehrmals für üble Schlagzeilen sorgten. Einige wenige Händler hatten es in der Hand, den tagesaktuellen Liborzins der Finanzmarktaufsicht zu melden. So kam es, dass manche Händler bei den Zinsen flunkerten – zum eigenen Vorteil und zum Schaden von Bankkunden auf der ganzen Welt. Laut der Presse wurde schon mal einem Händler ein Ferrari versprochen, wenn sich der Libor in die gewünschte Richtung bewegte.

Libor-Abschaffung: Grundlagen
Libor-Zins und Libor. Worum geht es? Der Begriff steht für London Interbank Offered Rate. Es handelt sich um einen Referenzzins, der in London täglich bei ganz bestimmten Banken erfasst und danach als offizieller Referenzzins publiziert wird. Den Libor gibt es längst für ganz verschiedene Laufzeiten und Währungen; der Libor zeigt, zu welchem Zins sich Banken auf dem Markt gegenseitig Geld leihen, und zwar für bestimmte Fristen. Weshalb ist das Thema in der Geldwelt von so grosser Tragweite? Nehmen wir ein ganz gewöhnliches Beispiel: Ein Kunde in der Schweiz nimmt bei seiner Bank eine Hypothek über 200’000 Franken auf. Für die meisten Leute sind dazu Festhypotheken erste Wahl – mit einem fixen Zins für die ganze Vertragsdauer.

Risikofreudige Kunden entscheiden sich aber öfters für Libor-Hypotheken. Dabei zahlt der Kunde längerfristig im Durchschnitt meist weniger Zins als bei Festhypotheken. Nach der einfachen Regel in der Geldwelt: kurzfristig geliehenes Geld ist immer günstiger als längere Darlehen (es sei denn, wir haben eine inverse Zinskurve).

Libor-Hypothek: Dynamische Kredite
Dafür nimmt ein Kunde in Kauf, dass sein individueller Kundenzins regelmässig wieder dem aktuellen Referenzzins Libor angepasst wird. Diese Zahl bestimmt 1:1, was die Finanzierung kostet. – Was machte Libor-Hypotheken in den letzten Jahren attraktiv? Nach der Finanzkrise 2008, als die Notenbanken die Geldpolitik lockerten und die Zinsen sukzessive senkten, fielen die Liborzinsen immer noch tiefer und noch tiefer – kaum eine andere Finanzierung erwies sich als günstiger. Umgekehrt nimmt der Kunde das Risiko in Kauf, dass sich sein Libor-Produkt im Fall einer geänderten Geldpolitik verteuern könnte. So wie bei diesem Beispiel mit der Hausfinanzierung hängen noch viele andere Kredit- und Finanzgeschäfte am Libor.

Libor-Abschaffung: Was kommt auf uns zu?
Voraussichtlich ab Ende 2021 werden aber die britische Finanzmarktaufsicht FCA und die beteiligten so genannten Panel-Banken keinen Libor mehr publizieren. Womit müssen dann Schweizer Hypothekarkunden rechnen, die weiterhin auf dieser Basis Hypotheken aufnehmen wollen? Die meisten Schweizer Banken betonen, dass sie weiterhin vergleichbare Hypotheken offerieren wollen – also eine Form von Geldmarkthypothek, wie bisher als Alternative zu den sonst populären Festhypotheken.

Daniel von Arx, Sprecher der Luzerner Kantonalbank, sagt dazu: «Der Anteil Libor-Hypotheken schwankt bei uns zwischen 10 und 15 Prozent des gesamten Hypothekarvolumens.» Die meisten Banken sagen auf Anfrage, dass sie über 2021 hinaus solche Finanzierungen bzw. einen Ersatz für die Liborhypotheken anbieten wollen. Die Umstellung auf einen künftig noch zu definierenden neuen Referenzzins ist schon jetzt spürbar: Die meisten Banken haben die Verträge und Geschäftsbedingungen so angepasst, dass ein anderer vergleichbarer Referenzzins für den Geldmarkt herangezogen würde. Im Übrigen bieten die meisten Banken ihren Kunden an, dass sie im Vorfeld der Umstellung unkompliziert und ohne Kostenfolge in eine Festhypothek wechseln könnten. Libor-Verträge werden oft mit Laufzeiten von mehreren Jahren abgeschlossen, im Hinblick auf die Umstellung beim Libor bzw. die Libor-Abschaffung gibt es jetzt eine Tendenz zu kürzeren vertraglichen Laufzeiten.

Libor-Abschaffung: Pläne für die Zukunft
Doch gibt es triftige Gründe dafür, dieses Finanzierungsinstrument künftig nicht mehr in Betracht zu ziehen? Nein. Immerhin konnten viele Kundinnen und Kunden in der Tiefzinsphase von den extrem attraktiven Liborzinsen profitieren. Ob die Zinsen noch einmal vier oder fünf Jahre so tief bleiben werden, lässt sich aber schwer zuverlässig vorhersehen.

Der Libor-Abschaffung zum Trotz: Alles spricht dafür, dass die Kunden weiterhin mit einem ähnlichen Angebot werden rechnen können. Die zuständige Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinsen in Franken (NAG) hat im Oktober den Geldmarktzinssatz Saron als neue Referenzgrösse empfohlen. In diesem wichtigen Fachgremium sind auch die Kantonalbanken vertreten.

Libor-Abschaffung: neuer Referenzzins vorgeschlagen
Der Saron (Swiss Average Rate Overnight) ist ebenfalls eine Grösse des Geldmarktes und spiegelt die aktuellen Zinsen, zu denen sich Banken sehr kurzfristig Geld ausleihen («overnight»). Manche Fachfrage rund um die Libor-Abschaffung ist noch offen. Etwa die genaue Erhebung und exakte Fixierung von Zinstrends. Kommt dazu, dass der künftige Referenzzins Saron wohl etwas tiefer liegen müsste als der Libor (kürzere Laufzeit, Bezug auf besicherte Transaktionen unter den Banken). Empfehlung: Wer die nötige Risikofähigkeit und –bereitschaft mitbringt, sollte auch künftig Geldmarkthypotheken in Betracht ziehen. Fragen Sie Ihre Bank nach den Modalitäten der Umstellung und dem Vorgehen während der Übergangszeit. Solange die Zinsen nicht plötzlich deutlich höher liegen, werden solche Finanzierungen auch über 2021 hinaus einem Kundenbedürfnis entsprechen.

Jürg Zulliger

Webseite: www.blog.newhome.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2018-07-17T15:06:19+00:00 Kategorien: Immo-Tipps|Tags: , , , |