Schnellere, einfachere und weniger strenge Bewilligungsverfahren, Verbindlichkeit von Fristen, Abschaffung der Einsprachen als Machtmittel, Stimulierung der Baubranche anhand ökonomischer und marktpolitischer statt staatlicher Kriterien, Förderung der Verdichtung. Diese Lösungsansätze wird der SBV am Runden Tisch zur Wohnungsknappheit vom 12. Mai 2023 in Bern aufs Tapet bringen.

Wohnungsmangel, steigende Mieten, Preise von Einfamilienhäusern im Allzeithoch: Die aktuelle Situation auf dem Schweizer Wohnungsmarkt ist besorgniserregend. Das erwartete Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahren – von heute 9 auf 10 Millionen Einwohner im Jahr 2040 – sowie die zahlreichen dringend nötigen Anstrengungen, um die Klima- und Nachhaltigkeitsziele unseres Landes inklusive Raumplanung zu erreichen machen das Thema zum Dauerbrenner. Auf der einen Seite wird die Bevölkerung immer älter und bleibt daher länger in ihren Wohnungen, auf der anderen Seite hat sie immer höhere Ansprüche an den Wohnraum und dessen Grösse. Daher ist der vom Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), Bundesrat Guy Parmelin übermorgen, 12. Mai 2023 einberufene Runde Tisch zum Wohnungsmangel zu begrüssen.

Ein erster Schritt

Das ist ein erster richtiger Schritt, denn als Teilnehmer dieses Treffens ist der Schweizerische Baumeisterverband SBV der Ansicht, dass die Lösung nicht in einem staatlichen Eingriff liegt (Mietpreisbremse und Beschränkung der Renditen von Immobilien, zusätzliche Regulierung des Mietwesens oder Förderung des Baus von gemeinnützigem und günstigem Wohnraum), sondern vielmehr im Schaffen marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die das Bauen vereinfachen. SBV-Direktor Bernhard Salzmann präzisiert: „Die Politik muss die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören raschere, einfachere und weniger strenge Bewilligungsverfahren, die Verbindlichkeit administrativer Fristen, eine vernünftige Umsetzung der Lärmschutzverordnung, die Abschaffung der Einsprachen als Machtmittel, eine Obergrenze für die Anzahl schützenswerter Bauten von 10%, die Gleichstellung der Verdichtung mit dem Ortsbild- und Heimatschutz im Rahmen der Interessensabwägung sowie mehr Anreize als Verbote, damit Bauprojekte für Investoren wieder attraktiv werden.“

Erfolgsrezept Verdichtung

Ein Perspektivenwechsel, der insbesondere für das Aufstocken bestehender Gebäude und den Bau von Ersatzneubauten von Bedeutung ist: verdichtet in die Höhe statt in die Breite bauen, um mehr Menschen auf derselben Fläche unterzubringen. Der SBV spricht dabei vom 1-2-3-0-Ansatz: „Ein bestehendes Gebäude abreissen, um zwei neue zu erstellen, die je drei Mal mehr Wohneinheiten bieten und null Quadratmeter zusätzliches Bauland benötigen“, erklärt Bernhard Salzmann. Möglich ist dies dank einem Mehr an Bausubstanz, einer Ausrichtung an aktuellen Wohnbedürfnissen sowie optimierten Isolationsverfahren und -materialien. Darüber hinaus tragen Ersatzneubauten aktiv zur Erreichung der Klimaziele bis 2050 bei.

Dringend nötige Anpassung des regulatorischen Rahmens

Doch dafür braucht die Baubranche weiterhin die Unterstützung der Politik. Das Ziel ist es, die Ausnützungsziffer zu erhöhen und die Hürden der Verdichtung in den kantonalen Richtplänen und den Nutzungsplänen der Gemeinden aus dem Weg zu räumen. Dazu gehören beispielsweise eine zu starke Gewichtung des Schattenwurfs und der Vorschriften in Sachen Auszonung, die es den Städten verunmöglichen, Büroräumlichkeiten in Wohnfläche umzuwandeln.

Standardwerk Agenda 125.0

Die Agenda 125.0 wurde anlässlich des 125-Jahr-Jubliäums des SBV erstellt. Sie ist sowohl Whitebook als auch gemeinsames Projekt von Partnern der Baubranche, Politik und der öffentlichen Hand für eine auch in Zukunft erfolgreiche Schweiz. Eine Publikation, die in allen Einzelheiten die Vorteile der Verdichtung aufzeigt.

Webseite : www.baumeister.ch

Weitere Informationen:

Elektronische Version der Agenda 125.0: https://ots.ch/5SSEQl

Wohnungsmarkt: Vom Überschuss zur Not in zwei Jahren: https://ots.ch/tuNtqO

Ungesunde Nebenwirkungen der Mietpreisbremse: https://ots.ch/jooabQ

Die Kantone verdichten: https://ots.ch/YfqwPy