Schweizer Berghilfe fördert Holzenergieprojekte

 

Stilisierte grüne Berge mit einem Schweizerkreuz bilden das Logo der Schweizer Berghilfe. Das Grün symbolisiert Wald und Weide. Damit die einzigartige Schweizer Bergwelt auch in Zukunft bewohnt und gepflegt wird, unterstützt die Berghilfe seit 1943 innovative Projekte verschiedenster Art. Im Mittelpunkt stehen regionale Ressourcen, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und gesellschaftliche Aspekte.

 

Die Furcht vor Energieengpässen und vor kalten Wohnungen im nächsten Winter ist gross. Die Nachfrage nach Energieholz und Holzfeuerungen steigt entsprechend steil an. Das Verhalten der Menschen zeigt, dass die Schweiz an die bereits seit langem gestellte Hausaufgabe der Energiewende viel zu wenig engagiert herangegangen ist. Nicht so die Schweizer Berghilfe (www.berghilfe.ch). Sie fördert seit vielen Jahren weit- und umsichtig den Bau von Holzenergieanlagen. Sei es eine Stückholzheizung für einen Hotelbetrieb oder einen Bauernhof, sei es ein ganzer Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung für ein Bergdorf, oder eine Produktionsanlage für Holzhackschnitzel oder Pellets direkt aus dem Bergwald. Die Berghilfe hat das ganze Spektrum der Holzfeuerungen auf dem Radar und ermöglicht an vielen Orten die Nutzung des einheimischen Holzes als Energieträger und als wertvoller Rohstoff für Zimmereien und Schreinereien. Das schafft Arbeit für Forstbetriebe und Handwerker, steigert die lokale und regionale Wertschöpfung und verringert die klimaschädliche Verbrennung fossiler Energien, die mit viel Aufwand in unsere Berge gekarrt werden müssen. Michelle Bürgi, Projektleiterin bei der Schweizer Berghilfe betont: «Bei uns stehen die Wertschöpfungskette und die Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt.»

Im Mittelpunkt stehen Wertschöpfungskette und Kreislaufwirtschaft

Die Schweizer Berghilfe finanziert sich vollständig aus Spenden, von denen rund 90 Prozent aus Städten und Agglomerationen stammen. «Wir sind ein Solidaritätsprojekt zwischen Städten mit ihrem dicht besiedelten Umfeld und den Berggebieten mit ihren grossen infrastrukturellen Herausforderungen.», erläutert Michelle Bürgi.

Holzenergieprojekte stärken die Wirtschaft in allen Bergregionen der Schweiz

Die Schweizer Berghilfe unterstützt in allen Landesregionen Projekte aus den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe, Wald und Holz, Energie, Gesundheit, Bildung und Nothilfe. Die Energieprojekte unterteilen sich in drei Bereiche. Erstens «Energie für eigenen Betrieb». Dazu gehört zum Beispiel das Gasthaus Mayor in Scuol GR, das eine über 50 Jahre alte, arbeitsintensive und störungsanfällige Stückholzheizung durch eine neue Stückholzheizung mit Wärmespeicher ersetzte. Zweitens «Energie als Kerngeschäft» (z.B. Fernwärmeverbunde). Exemplarisch sei in dieser Kategorie die Initiative Renan se chauffe SARenan heizt sich AG») im Berner Jura erwähnt. Hier hat sich eine Gruppe initiativer Personen und Betriebe zusammengeschlossen und im Dorf einen Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung realisiert. Bereits über dreissig öffentliche und private Gebäude werden mit der Wärme aus dem umliegenden Wald versorgt. Drittens kommen Projekte zur «Produktion von Energieträgern» in den Genuss der Unterstützung. Ein besonders interessantes Beispiel ist die Initiative des Forstunternehmens von Gianpietro Canepa in Olivone TI. Neben dem Betrieb einer Sägerei zur Verarbeitung der hochwertigen Holzsortimente produziert das Unternehmen aus dem Restholz und minderwertigem Waldholz beträchtliche Mengen Holzhackschnitzel für einen Wärmeverbund im eigenen Dorf und für weitere Wärmeverbunde im Bleniotal.

Mit einem Blick auf die lange Liste unterstützter Projekte freut sich Michelle Bürgi: «Das bereits Jahrzehnte dauernde Engagement der Schweizer Berghilfe zur Förderung der Waldbewirtschaftung und Holzverarbeitung trägt zur Attraktivität der Bergregionen für die Bevölkerung bei. Und zwar für die Einheimischen genauso wie für TouristInnen.»

 

Fragen an Michelle Bürgi, seit 2019 als Projektleiterin bei der Schweizer Berghilfe tätig:

Holzenergie Schweiz: Seit Jahrzehnten fördert die Schweizer Berghilfe Holzenergieprojekte. Können Sie eine Bilanz über die Anzahl der unterstützten Projekte und die damit produzierte umweltfreundliche Energie ziehen?

Michelle Bürgi: In den letzten zehn Jahren konnten wir 23 Fernwärmeprojekte sowie 61 weitere Holzenergieprojekte (Stückholz-, Pellets-, Schnitzelheizungen oder Energieholzproduktionen) mit über 7,5 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträgen unterstützen. Alleine die 23 Fernwärmeprojekte ersetzen jährlich rund 3 Millionen Liter Heizöl und ersparen unserer Atmosphäre etwa 8’000 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist ein schöner Beitrag an den Schutz des Klimas, denn gerade die Bergregionen sind vom Klimawandel besonders betroffen. Alle Projekte im Bereich der energetischen, aber auch der stofflichen Holznutzung, oftmals in Kombination – schaffen sichere Arbeitsplätze und verbessern die lokale und regionale Wertschöpfungskette.

Holzenergie Schweiz: Oft «geistern» gute Projekte jahrelang in den Köpfen innovativer Personen herum. Es fehlt aber ein Teil der Finanzierung. Wie muss man vorgehen, um von der Schweizer Berghilfe eine Unterstützung zu erhalten? Und welches sind denn eigentlich die geographischen Kriterien, damit ein Projekt in den Perimeter der Berghilfe kommt?

Michelle Bürgi: Es ist keine Hexerei. Wir pflegen möglichst einfache und effiziente Abläufe.  Privatpersonen, Genossenschaften, Gewerbebetriebe mit weniger als 50 Vollzeitstellen sowie Bürgergemeinde kommen in den Genuss unserer Unterstützung. Nicht aber die öffentliche Hand, d.h. Gemeinden und Städte. Voraussetzung für die Einreichung eines Gesuchs ist eine verbleibende Finanzierungslücke nach Prüfung aller anderen Finanzierungsmöglichkeiten. Gesuche können online eingereicht werden. Unsere rund dreissig ehrenamtlichen ExpertInnen prüfen die Gesuche immer vor Ort und ziehen fallweise unsere FachexpertInnen bei. Die Finanzhilfen sind immer A-fonds-perdu-Beiträge an die Investitionskosten der Projekte. Die geographischen Bedingungen fussen auf den landwirtschaftlichen Zonengrenzen des Bundes. Beitragsfähig sind Projekte von der sogenannten Bergzone 1 bis zum Sömmerungsgebiet.

Holzenergie Schweiz: Hat sich die Nachfrage nach Unterstützung von Holzenergieprojekten in jüngster Zeit verändert?

Michelle Bürgi: Wir spüren eine leichte Zunahme der Holzenergieprojekte. Insbesondere von Landwirtschafts- und Tourismusbetrieben mit Holzheizungen. Das heisst eher kleinere Projekte mit kürzerer Vorlaufzeit. Grössere Projekte wie Wärmenetze haben eine längere Planungszeit. Ich denke, dass auch grössere Projekte in Zukunft zunehmen werden, da der Wunsch nach Sicherheit, Unabhängigkeit und Umweltverträglichkeit der Energieversorgung verständlicherweise immer grösser wird.

 

Über Holzenergie Schweiz

Der Branchenverband Holzenergie Schweiz betreibt seit 1979 einen professionellen Informations- und Beratungsdienst und setzt sich bei Behörden und Entscheidungsträgern für eine vermehrte Nutzung der „Wärme aus dem Wald“ ein. www.holzenergie.ch