BIM lohnt sich nicht für alle Bauprojekte

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BIM lohnt sich nicht für alle Bauprojekte

Swissbau – Heute lohnt sich Building Information Modeling noch nicht für alle Bauprojekte. Wie das Beispiel des Neubaus des Inselspitals in Bern zeigt, sind bei komplexen Bauprojekten jedoch bereits heute die Vorteile gross. Die Herausforderung ist aber, die Daten in den späteren Betrieb zu bringen.

Building Information Modeling (kurz BIM) ist das grosse Thema der Baubranche. Denn von BIM erhoffen sich viele eine enorme Effizienz- und Qualitätssteigerung. Würden nämlich alle in der gleichen Datenbank arbeiten, lägen die Vorteile auf der Hand. Doch noch ist es nicht soweit, denn die Digitalisierung bringt auch einen Kulturwandel mit sich, der erst vollzogen werden muss. Deshalb muss die Frage erlaubt sein, für welche Bauprojekte sich BIM heute schon lohnt. «BIM lohnt sich, aber man muss es gezielt einsetzen», meinte kürzlich Pascal Bärtschi, CEO der Losinger Marazzi AG, im Rahmen des zweiten Schweizer BIM Kongresses in Zürich. Bei 0815-Projekten müsse man sich schon fragen, ob BIM Sinn mache. «Doch bei komplexen Projekten macht es absolut Sinn», so Bärtschi. Denn mit BIM könne man schon vor dem Bauen bauen und so Fehler vermeiden.

BIM: Komplex und mit viel Eigendynamik
Ein solches komplexes Projekt ist der Neubau des Inselspitals in Bern, der unter dem Projektnamen «Neubau Baubereich 12» läuft. Der 580 Millionen teure Neubau ersetzt das bestehende Bettenhochhaus und bietet ausserdem Platz für das Schweizer Herz- und Gefässzentrum. «Die Komplexität des Projektes erfordert BIM », meinte denn auch Bruno Jung, Gesamtprojektleiter des Neubaus, im Rahmen des BIM Kongresses. Mittlerweile seien schon 23 Subplaner mit 160 Planern mit dem Projekt beschäftigt und es gebe rund 160 000 Datenpunkte. «BIM muss geplant werden, denn es darf kein Jekami werden», so Jung. Deshalb habe man bei der Inselgruppe viel Zeit in die Planung investiert, was sich nun auch auszahle. «Wir wollen ein vernünftiges BIM machen und keinen Datenfriedhof erzeugen.» BIM müsse einen Mehrwert beim Bau und im Betrieb bringen. Dafür müsse man schnell lernen. Denn BIM löse eine Eigendynamik aus. Ausserdem habe man bei der Inselgruppe beispielsweise mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass die Bestellungen für den Betrieb 2024 bei Projektstart noch nicht detailliert erfolgen könnten.

«Unser grosses Problem ist die lange Zeitspanne von zehn Jahren. Denn wie agil reagieren wir auf Veränderungen und Entwicklungen», meinte Jung. Deshalb habe man sich Gedanken gemacht, was passiere, wenn das Big BIM Projekt in den Betrieb gehe. Denn schliesslich sammle das Projekt laufend Daten. «Wir wollen die Daten analysieren und abspecken, bevor sie in den grossen Insel-Datentopf kommen», so Jung. Denn man habe gesagt, es könne ja nicht sein, dass es für Gebäude 12 einen Einzeltopf gebe. Deshalb habe man angefangen, die Daten, die schon vorhanden sind, zu sortieren und strukturieren. Das sei zwar eine riesige Arbeit, die aber in Zukunft vieles erleichtern werde.

Aus BIM wird BAM und BOOM
Die Frage, die man sich dabei immer stelle, sei, welche Daten einem optimierten BOOM (Building Owner Operator Modeling) dienen. Denn Ziel sei, dass aus dem BIM über das BAM (Building Assembly Modeling) ein BOOM Projekt werde. «Das BOOM wird uns die nächsten 30 bis 40 Jahre begleiten und das ist unser Kostenfaktor», so Jung. Denn erst mit dem BOOM spare man Kosten. Dafür sei es aber ein Muss, die Spielregeln für die neu gewonnene BIM Agilität zu formulieren. Und man müsse auch fragen, wann es zum Crash komme. So müssten beispielsweise Schnittstellen geschlossen werden, die Datenmenge kontrolliert und auf die Wirtschaftlichkeit geachtet werden. Denn nicht alles technisch Mögliche sei wirtschaftlich sinnvoll.

«Das Kosten-Management und die Life-Cycle-Optimierung stehen über allem», so Jung, «denn wenn wir es nicht schaffen, dass BIM zu BOOM wird, haben wir ein Problem.» Erst wenn es gelinge, die Daten auch in den Betrieb zu bringen, habe man den Effekt. «BIM bringt aus Kostengründen nichts, aber viel bei der Qualität», meinte Jung. Dabei dürfe man auch nicht den Fehler machen und nur die Planungskosten betrachten. Denn wichtig seien die Kosten über den ganzen Life-Cycle. «Wenn wir es schaffen BIM ins Bauen rüberzubringen, ohne dass wir 2D-Pläne ausdrucken, und später in den Betrieb, dann haben wir den Multiplikationseffekt», so Jung.

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2018-03-26T12:59:42+00:00 Kategorien: Baunews|Tags: , , , |