Der Trick, mit dem schon 250’000 Sitzmöbel gerettet wurden

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Der Trick, mit dem schon 250’000 Sitzmöbel gerettet wurden

Nicole von Boletzky

Wer kennt das nicht; mit einem kostengünstigen Ikea-Möbel wurde einmal der Grundstein für die erste Wohnung gelegt. Viele Einrichtungsgegenstände gesellten sich im Laufe der Jahre hinzu und irgendwann passt die Erstanschaffung einfach nicht mehr so ganz ins Gesamtbild. Möglicherweise hat auch der Zahn der Zeit so fest am geliebten Erstsofa genagt, dass es eigentlich Zeit wäre, sich davon zu trennen. Wer sich jedoch einer gewissen Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt, dem bieten sich heute spannende Alternativen zum Sperrmüll. Retten und redesignen, anstatt ersetzen, lautet die Devise.

Nicht wegschmeissen – neu designen und zwar selber!
Der Gedanke einem Möbel ein neues Outfit zu geben, ist so einfach wie genial. Es ist eigentlich wie die Anschaffung verschiedener Kleiderstücke oder Schuhe. Mal passt das eine, mal das andere. Je nach dem. Wer sagt denn, dass Möbel Jahrzehnte lang gleich daher kommen müssen?

Aus einem kleinen Einrichtungsproblem, schuf die Kanadierin Lesley Pennington eine Produkteidee, die heute Kultstatus geniesst. Es begann mit dem Kauf einer Immobilie: Lesley Pennington erfüllte sich mit dem Kauf eines Sommerhauses am Meer einen Traum und kaufte dafür ein weißes IKEA-Sofa. Sie fand es einfach, eine Couch zu finden, aber die Überzüge passten einfach nicht ganz in ihr Konzept. „Ich suchte nach einem schönen Stoff, der meinem Sofa eine persönliche Note verleihen sollte, blieb jedoch bei meiner Suche erfolglos“ erinnert sie sich. In diesem Moment wurde die Idee geboren, hochwertigste Bezüge herzustellen, die genau auf die Masse von Ikea-Möbeln abgestimmt waren. So wurde in den letzten zehn Jahren das Leben von rund 250’000 Möbeln gerettet, verlängert oder eben individualisiert.

Stardesigner wollen auch mitmischen
Selbst die noble Designer-Szene ist auf diesen Trend aufgesprungen. Das gab es ja bereits in der Mode. Als der Modezar Karl Lagerfeld 2004 eine Kollektion für den Modediscounter H&M kreierte, sorgte dies für heftigen Wirbel. Was ist in den Mann gefahren, welcher bislang nur für einen ganz elitären Kreis entwarf? Die Kritiker hatten jedoch noch nicht einmal Luft geholt, da war das T-Shirt mit dem Lagerfeld-Kopf bereits ausverkauft. Noch nie zuvor hat ein Kleidungsstück innerhalb von zwei Tagen weltweiten Kultstatus erlangt. Etwas Ähnliches kann man nun im Einrichtungsbereich beobachten. Auf der letzten Mailänder-Möbelmesse wurde ein Sofa-Bezug vorgestellt, welcher niemand geringeres als Tom Dixon entwarf. Der englische Stardesigner ging eine Kooperation mit Bemz ein. Ein Hersteller, der sich auf die Herstellung von Möbelbezügen speziell für kea-Möbel spezialisiert hat.

Für die erste Phase der Kollaboration haben Bemz und Tom Dixon gemeinsam einen Haute-Couture-Konzeptbezug für ein Bettsofa geschaffen, dies soll nur der Anfang eines neuen Möbeltrends sein. Eine originelle Initiative, die einen neuen Umgang mit Möbeln möglich machen soll.

Möbel-Hacking als neuer Trend
Das Wort Hacking wird alltagssprachlich gebraucht, um jemanden zu bezeichnen, der in Computersysteme eindringt. In seiner ursprünglichen Verwendung bezieht sich der Begriff auf den Tüftler. Also auf jemanden, der die Grenzen des Machbaren neu erkundet. Im Möbel-Hacking bedeutet dies, ein Möbel aus Massenproduktion mit viel Kreativität in ein originelles Einzelstück umzuwandeln. Es gibt bereits Hersteller, die sich auf individuell kombinierbare Möbelfüsse, Oberflächenfolien oder eben Bezüge für Betten, Sofas, Sessel und Kissen spezialisiert haben. Alleine bei den Textilbezügen sollen beim Marktleader unglaubliche 200’000 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten ausführbar sein. Man stelle sich das einmal vor: Rein rechnerisch könnte man sich demnach über 500 Jahre lang jeden Tag die Einrichtung umgestalten, nur mit Stoffen.
Möbel-Hacking wird das neue Tummelfeld für Menschen, die ihr Umfeld ohne grossen Aufwand verändern möchten. Eher spielerisch und unverkrampft und nicht mit dem Anspruch auf Ewigkeit verbunden. Der Deutsche Wau Holland prägte einmal die Formulierung: „Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann“. Allen Anzeichen nach ist die Zeit vorbei, in welchen wir Möbel als feste Einheit sehen und nur mittels ergänzenden Dekorationen den eigenen Stil einbringen. Mehr und mehr bieten sich spannende Möglichkeiten am Möbel selbst aktiv zu werden. Diese immer mal wieder neu zu gestalten und ihm damit mehrere Stilformen und Lebensphasen zu schenken. Also, weg mit zu viel aufgesetztem Dekoplunder. Die Grundbausteine der Einrichtung warten auf individuelle Designideen.

Keine lebenslange Entscheidung mehr
Das Schöne an dieser neuen Art mit der Einrichtung umzugehen: alles wird unverkrampfter, spontaner und damit lebenbejahender. Man darf Einrichtungslaunen haben, sie ausleben und sich dann auch irgendwann wieder von ihnen verabschieden. Ohne schlechtes Gewissen. Vorbei die Zeit, als man ein Leben lang für die Entscheidung der Aussteuer büssen musste.

Webseite: https://blog.homegate.ch/de/der-trick-mit-dem-schon-250000-sitzmoebel-gerettet-wurden/

2018-02-12T16:58:28+00:00 Kategorien: Inneneinrichtung|Tags: , |